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Bionik - Lernen von der Natur

Bionik als wissenschaftliche Methode beschäftigt sich mit der Anwendung biologischer Prinzipien in der Technik. Natürliche Lösungen sind oft in verblüffender Weise an die Anforderungen ihrer Umwelt angepasst und optimiert. Diese Konstruktions-, Verfahrens- und Entwicklungsprinzipien können in vielen technischen Gebieten angewandt werden.

Der Begriff Bionik (im englischsprachigen Raum bionics oder biomimetics) setzt sich aus der ersten Silbe des Wortes "Biologie" und der zweiten Silbe des Wortes "Technik" zusammen, wodurch schon eine grundsätzliche Definition der Forschungsrichtung gegeben ist. Geprägt wurde der Begriff "bionics" 1958 von J.E. Steele, wobei für ihn das "Lernen der Technik von der Natur" im Vordergrund stand. Heute werden dem Vorschlag W. Nachtigalls folgend - zumindest im deutschsprachigen Raum - die komplementären Forschungsansätze der Technischen Biologie und der Bionik unterschieden. Die Technische Biologie beschäftigt sich mit der Erforschung des Form-Struktur-Funktions-Zusammenhangs lebender Organismen unter der Verwendung physikalischer und technischer Methoden, d.h., hier findet ein (Methoden-)Transfer von der Technik in die biologische Forschung statt. In der Bionik hingegen wird versucht, Verfahren, Konstruktions- und Entwicklungsprinzipien der Natur in technische Anwendungen umzusetzen; hier findet in umgekehrter Richtung ein (Erkenntnis-)Transfer von der Biologie in die Technik statt. Es muss hierbei betont werden, dass in der Bionik keine identischen Kopien von der Natur zur Technik möglich sind, sondern dass es sich um ein häufig über mehrere Abstraktions- und Modifikationsprozesse laufendes kreatives Umsetzen in die Technik handelt, d.h. um ein eigenständiges Weitergestalten, welches eher ein durch die Natur angeregtes "Neuerfinden" darstellt als eine "Blaupause" der Natur.
Speck, T. (1999): Bionik; in: Lexikon der Biologie, Band 2; Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg

Bionik stellt also ein Werkzeug oder eine Methode dar, die bei technischen Problemen eine Hilfestellung leistet. So kann sie auch zur Auffindung konstruktiver oder organisatorischer Lösungen im Bereich der umweltgerechten Produktgestaltung eingesetzt werden.

Laufende Projekte

Bionische Optimierung der Strohschraube für das S-House:

Für die Befestigung verschiedenster Bauteile an Strohballen ist es nötig, die Kräfte optimal abzuleiten. Da gepresstes Stroh ein relativ grobes, ungeordnetes Material darstellt, war die Entwicklung eines Konstruktionselementes nötig, das auf diese Eigenschaften abgestimmt ist. Sowohl Biege- und Scherkräfte wie auch Zugbelastungen müssen in den Strohballen eingeleitet werden können. Auf der Basis dieser Anforderungen wurde eine spezielle Schraube entwickelt, die einfach zu montieren ist und aus Nachwachsenden Rohstoffen besteht. Für die Formgebung wurde das von Prof. Mattheck entwickelte Computer Aided Optimization-Verfahren (CAO) eingesetzt. Dieses bionische Optimierungsverfahren ermöglicht eine Spannungsminimierung im Bauteil und führt somit zu einer Verbesserung der Festigkeitseigenschaften.

Biologische Schmierung im Nanobereich:

In der Tribologie (Reibungslehre) treten zunehmend Probleme auf, die sich auf den Nanometerbereich beziehen. Deshalb ist es sinnvoll biologische Systeme zu betrachten, die in dieser Größenordnung funktionieren und zudem aus biologisch abbaubaren Stoffen, die im Kreislauf geführt werden, bestehen.

In diesem Zusammenhang sind Kieselalgen (Diatomeen) eine interessante Organismengruppe. Sie sind klein und weisen ein starres Außenskelett auf, das durch verschiedene Bewegungsabläufe Reibungskräften ausgesetzt ist. Erste AFM-Untersuchungen (Atomic Force Microscope) zeigen interessante Strukturen an Stellen wo Relativbewegungen stattfinden.

Gebeshuber I.C., Drack M., Stachelberger, H. "Diatom bionanotribology - Biological surfaces in relative motion: their design, friction, wear and lubrication.", J. Nanosci. Nanotechnol., in preparation

Abgeschlossene Projekte

Bionik und Ecodesign

In der Diskussion über eine Nachhaltige Entwicklung bei der Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen (Ecodesign) tauchen immer wieder Begriffe wie erneuerbare Ressourcen, Energieeffizienz und Recycling auf. Zudem wird davon ausgegangen, dass alle diese Dinge und Vorgänge auch in der Biosphäre zu finden sind. Den biologischen Systemen wird also Nachhaltigkeit unterstellt. Wenn das so ist, dann sollte man sich daranmachen, die dahinter stehenden Prinzipien genauer zu untersuchen, auch im Hinblick auf die Materialverwendung.

Einen ersten Schritt in diese Richtung wurde im Rahmen einer Dissertation zum Thema Bionik und Ecodesign gemacht.

In der Arbeit wurden strukturelle Biomaterialien wie Knochen, Holz, Horn und Chitin untersucht. Das Ziel war es, Prinzipien und Korrelationen zwischen dem Energieaufwand, der von Organismen zum Aufbau von Materialien geleistet werden muss, und deren Einsatzdauer zu finden. Zudem wurden Zusammenhänge zwischen diesen beiden Parametern und der Dauer des Recyclings untersucht. Theoretisch sollten Organismen - überall, wo dies möglich ist - Energie effizient einsetzen, daher kann angenommen werden, dass Materialien mit hohem Energieinhalt auch lange eingesetzt werden. In vielen Fällen trifft das zu, aber nicht immer. Die Zeiträume, in denen Biomaterialien in Funktion stehen, sind sehr unterschiedlich mit Extremen von wenigen Tagen bis zu tausenden Jahren. Auch die Energie, die zum Aufbau von Materialien eingesetzt werden muss, variiert stark, u.a. weil einige Organismen Vorleistungen von anderen nutzen können. Es wurde auch erwartet, dass Materialien mit hohem Energieinhalt eher strukturerhaltend recycliert werden als andere.

Tatsächlich stellte sich jedoch heraus, dass keine statistisch signifikanten Korrelationen zwischen den drei untersuchten Parametern gefunden werden konnten. Dennoch lassen einige Prinzipien, die im Zusammenhang mit der Materialverwendung in der Biologie nachgewiesen wurden, Rückschlüsse für eine Nachhaltige Entwicklung zu.

M. Drack (2002): Bionik und Ecodesign - Untersuchung biogener Materialien im Hinblick auf Prinzipien, die für eine umweltgerechte Produktgestaltung nutzbar sind; Dissertation, Universität Wien


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